Große Renovierung des Dampfschiffs Vyšehrad


Bereits in wenigen Wochen, zu Beginn der Hauptschifffahrtssaison, wird sich das historische Dampfschiff Vyšehrad der Öffentlichkeit in einer seit langen Jahrzehnten ungesehenen Schönheit präsentieren. Eines der größten Schmuckstücke der Flotte der Pražská paroplavební společnost (PPS) durchläuft in diesen Tagen unter Aufsicht der Denkmalschützer eine anspruchsvolle und behutsame Renovierung in genau jenes Erscheinungsbild, in dem es vor exakt achtzig Jahren zu Wasser gelassen wurde.
„Die Renovierung der Vyšehrad ist für uns eines der anspruchsvollsten Vorhaben dieser Jahre. Die PPS finanziert sie dabei ausschließlich aus eigenen Mitteln, die nicht unbegrenzt sind. Zugleich möchten wir nicht, dass dieses Schmuckstück für eine zu lange Zeit aus dem Blick der Öffentlichkeit verschwindet, weshalb wir den eigentlichen Umbau in zwei Etappen unterteilt haben – für dieses Jahr schaffen wir es, der Vyšehrad ihr ursprüngliches äußeres Erscheinungsbild mit überwiegend offenem Hauptdeck zurückzugeben. Bis zur nächsten Schifffahrtssaison wollen wir dann auch den ursprünglichen hinteren Deckssalon renovieren“, sagt Dušan Sahula, der das Umbauprojekt leitet. Der erfahrene Fachmann für Schifffahrt und ehemalige Direktor der PPS ist nach mehrjähriger Pause in die Dampfschifffahrt zurückgekehrt und hat auch die Funktion des Pressesprechers der Gesellschaft übernommen.
Vyšehrad ist bereits der vierte stolze Träger dieses traditionellen Namens unter den PPS-Dampfschiffen und feiert in diesem Jahr ihren achtzigsten Geburtstag. Sie wurde am 1. Mai 1938 in Ústí nad Labem unter dem Namen Antonín Švehla gemeinsam mit ihrem Schwesterdampfschiff Dr. Edvard Beneš zu Wasser gelassen. Der feierliche Akt in Anwesenheit von Tausenden Menschen, einschließlich des damaligen Industrieministers, verwandelte sich in eine Demonstration nationalen Stolzes. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wechselte sie mehrfach den Namen und wurde umgebaut, im Jahr 1961 änderte sie auch deutlich ihr Erscheinungsbild.
„Die Geschäftsführung der Pražská paroplavební společnost ehrt mit höchstem Ernst die Tradition des Unternehmens, die mehr als anderthalb Jahrhunderte zurückreicht. Die einzigen erhaltenen historischen Dampfschiffe in den böhmischen Ländern, Vyšehrad und Vltava, sind dabei ein überaus wichtiger Bestandteil dieser Tradition. Wir sind überzeugt, dass die renovierte Vyšehrad dieselbe Bewunderung und Beliebtheit bei der breiten und der Fachöffentlichkeit gewinnen wird, wie sie auch die Vltava nach ihrer Rückkehr zur ursprünglichen Gestalt erhalten hat“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Prager Dampfschifffahrt, Kapitän Jan Hamza. Gerade die Vltava durchlief vor einigen Jahren eine anspruchsvolle Renovierung und ist seither nicht nur eines der schönsten Schiffe Mitteleuropas und ein Schmuckstück der Hauptstadt Prag, sondern erhält in der Folge auch Einladungen zu renommierten ausländischen Dampfschiffparaden.
Vyšehrad und Vltava sind seit 2013 auf Initiative der PPS geschützte historische Denkmäler. Umso anspruchsvoller ist die aktuelle Renovierung des Dampfschiffs Vyšehrad, die in der Werft der PPS im Prager Stadtteil Podbaba abläuft. Ihr ging eine gründliche Vorbereitung voraus, einschließlich einer langen, geradezu detektivischen Suche nach Unterlagen, die eine möglichst originalgetreue Rückkehr des Schiffes zur ursprünglichen Gestalt ermöglichen. Viele technische und bildliche Materialien, anhand derer das Dampfschiff originalgetreu wiederhergestellt werden könnte, gingen nämlich gemeinsam mit einem Teil des PPS-Archivs bei der großen Flut um die Jahrtausendwende verloren. Letztlich gelang es, die fehlenden Puzzleteile auch mit Hilfe der Öffentlichkeit zu ergänzen – nach Aufrufen der PPS schickten oder brachten Menschen historische Fotografien und weitere Materialien, die sie zu Hause hatten.
